Freitag, 12. Januar 2018

Drei Dinge #2/2018

BILD macht den KiKa fertig, deutsche Promis denken wenig nach und beim wahrscheinlichen Abschied von einer Fernsehserie habe ich gemischte Gefühle.


Reichelt, es reicht!

Der KiKa hat eine Dokumentation gesendet, in der es um die Beziehung einer 16-jährigen Deutschen zu einem 19-jährigen Flüchtling aus Syrien geht. Weil sein Alter ursprünglich mit 17 angegeben und dann geändert wurde, hat BILD-Fähnchen-im-Wind Julian Reichelt auf Twitter investigativ-kritisch bei ARD und ZDF nachgefragt, was das denn sollte. Die Erklärung lautet: Der Syrer war zu Beginn der Beziehung 17, weshalb dieses falsche Alter seinen Weg in die Bildunterschriften gefunden hat.

Allerdings ist es zu spät dafür, dass das noch jemanden interessiert. Längst hat die von Reichelt bewusst befeuerte Hetzkampagne Fahrt aufgenommen: AfD und Konsorten toben. Man weiß ja, dass das Alter dieser ganzen Flüchtlinge nicht stimmt! Wahrscheinlich ist der haarige Typ noch älter! Die Mutter des Mädchens ist von der linken Ideologie so verblendet, dass sie ihre minderjährige Tochter an den Islamisten verschachert! Und welche Vorschriften der ihr macht, sieht man in der Doku – völlig unkommentiert! Das geht doch wieder so aus wie in Kandel! Klarer Fall von Staatspropaganda, die im KiKa schon die Kleinsten indoktrinieren soll! Muss bei der Minderjährigen da nicht eigentlich der Staatsanwalt die Finger drauf haben????!!!!!!

Wieder einmal zeigt sich die vollkommene Unfähigkeit dieser „politischen Richtung“, differenziert zu diskutieren. Rein theoretisch wäre das nämlich möglich. Dafür müsste man aber verschiedene Dinge in Betracht ziehen können. Nicht davon ausgehen, dass sie so sind, aber sie in Betracht ziehen können. Zum Beispiel, dass eine 16-Jährige trotz Minderjährigkeit in der Lage sein könnte, eigene Entscheidungen zu treffen. Für die man kein Verständnis haben muss, die man ihr aber auch nicht absprechen kann. Dass die Mutter die Situation ihrer Tochter möglicherweise besser einschätzen kann als Beobachter von außen und weniger die ideologische als ihre individuelle, private Sicht auf die Situation sie antreibt. Dass weder eine Religion noch ein damit zusammenhängendes, ja selbst verstörendes Weltbild, jeden Anhänger gleich zum Beziehungstäter und Mörder macht. Dass Fernsehsendungen verschiedene Formate haben und dem Zuschauer niemals gleich die „richtige Haltung“ mitliefern sollen. Und man müsste wirklich die Gesetze kennen und wissen, dass in diesen Texten eine sogenannte „Verführung Minderjähriger“ überhaupt nicht existiert.

Es gibt in diesem Bereich ein sehr differenziertes Strafrecht, unter anderem mit einem Schutzalter von 14, nach dem eine Strafbarkeit nur noch dann vorhanden ist, wenn „der Ältere nicht die fehlende sexuelle Selbstbestimmung des Opfers ausnutzt“. Egal, wie groß der Altersunterschied ist. Jetzt ist etwas nicht gleich moralisch richtig, weil es gesetzlich erlaubt ist, aber es hat eben auch sein Grund, dass dieses Gesetz schon 14-Jährigen eine mögliche vorhandene Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung zugesteht. Die empörte „Argumentation“ über das Mädchen aus der Dokumentation dagegen geht nicht mal davon aus, dass diese 16-Jährige überhaupt ein Gehirn hat. Das hat ihr ja von Anfang an ihre Mutter weggenommen. Und genau so macht es ja auch der KiKa mit den unbeholfenen, kleinen Zuschauern!

Als Lehrerkind erinnert mich das an die Beschwerden meiner Eltern und ihrer Kollegen, dass Eltern nur zu gerne ihre Erziehungsaufgaben abschieben. Statt also die eigenen Kinder sowohl mit Medienkompetenz auszustatten als auch das vernünftige Gespräch über diese Geschichte mit all ihren Problemen zu suchen, wird lieber der KiKa in die Verantwortung genommen und aus der Programmliste verbannt, damit der Nachwuchs bloß nicht mit der „staatlichen Gehirnwäsche“ in Berührung kommt. Es ist ja auch eine Frechheit, dass die das überhaupt gesendet haben! Und eine viel größere Frechheit, dass sie jetzt die Wiederholung gestrichen haben, weil sie mit ihrer „Propaganda“ aufgeflogen sind! WTF?!

Und ich war so naiv, zu glauben, dass Dokumentationen dazu da sind, zu zeigen, was so da draußen passiert. In allen Facetten, ob ich diese Lebensweisen anderer nun verstehe oder nicht. Dabei ist das Fernsehen offensichtlich nur dazu da, jedem zu zeigen, was in sein Weltbild passt und es auch entsprechend zu kommentieren. Weil jeder von uns und ganz besonders die AfD inzwischen ja die allgemeingültige Wahrheit gepachtet hat, ist eine differenzierte Diskussion ja Quatsch. Wer das nicht einsieht, ist einfach nur noch ideologisch verblendet, Punkt!

So einfach kann man es sich machen. Aber dann präsentiert man die eigene Dummheit schon sehr deutlich. Hauptsache, Julian Reichelt kann sich auf sein Feedback einen runterholen.

Promis, denkt nach!

Auch abseits von den Rechten taucht diese Woche geballt eine „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“-Mentalität auf. In der Aufregung um das rassistische Fotomotiv von H&M fragt sich Micky Beisenherz, ob das „nicht vielmehr ein Assoziations-Problem der Ankläger“ ist. Wie immer gibt es auf die Frage, ob etwas rassistisch ist, nur eine Antwort: Wenn Betroffene sich verletzt fühlen, ja. Als Weiße haben wir das nicht zu definieren. In ein ähnliches Horn bläst Thomas Gottschalk: „Bis ich gecheckt habe, ob es missverständlich, übergriffig, unsensibel oder political incorrect ist, habe ich vergessen, was ich sagen wollte.“ Ja, wirklich schlimm, diese ganzen Gedanken, die man sich heutzutage machen muss… dass aber auch alle so empfindlich sein müssen! Auf den Müllhaufen der Geschichte mit der politischen Korrektheit! Im Ernst: Es ist gut, dass wir da angekommen sind. Weniger Faulheit und mehr Bereitschaft zum Nachdenken bringen uns vielleicht sogar noch weiter. Der Dritte im Bunde ist Matze Knop, früher Supa-Richie, der ebenfalls daneben gegriffen hat, weil er bei einem Transgender-Model auf dem Playboy „lieber gleich die GQ kauft. Oder die Jagd und Hund.“ Schon wieder finden sich überempfindliche Menschen angegriffen, und das, wo Knop doch „Comedian“ ist! Leute, ihr seid als Promis in einer Position, in der ein bisschen mehr Reflexion und Einsicht schon ganz gut täte. Ihr wisst doch, wer sonst so „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ in die Welt brüllt und diese Leute fühlen sich euch jetzt ganz stark verbunden.

Zur Erholung etwas Fernsehen

Ich bin kein Fan von „The Big Bang Theory“ und war trotzdem neugierig auf „Young Sheldon“. Doch auch wenn das Nervigste an TBBT (die Lacher) verschwunden ist und die Serie damit nicht ganz so hart auf Punchlines setzt, habe ich es als eher langweilige halbe Stunde empfunden.

Mit gemischten Gefühlen nehme ich die Nachricht auf, dass „Akte X“ nach der elften Staffel wahrscheinlich nicht weitergeht, weil Gillian Anderson aka Scully nicht mehr zur Verfügung stehen will. Mein Problem ist, dass ich die Serie für längst tot geritten halte, dennoch immer weiter geguckt habe und es eben nie einen vernünftigen Abschluss gab. Serienschöpfer Chris Carter scheint anderer Meinung zu sein, er glaubt doch tatsächlich, man könnte ewig weitermachen; vorausgesetzt, beide Hauptdarsteller wären weiter an Bord.

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